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Der KVProfi - aka Thorulf Müller - kommentiert das Angebot von NEUE KV

Einen wichtigen Fachmann im Bereich Krankenversicherung in Deutschland haben wir schon überzeugt: Thorulf Müller, auch bekannt als derKVProfi. Hier ein Interview mit ihm und im Anhang zwei Pressemitteilungen:

Internationale Krankenversicherung

Neue KV GmbH

Interview Thorulf Müller – der KVProfi

Ab Oktober 2012 bietet die Neue KV GmbH Versicherungsvermittlern an, europäische Krankenversicherungen einzudecken, die den § 193 Abs. 3 VVG erfüllen.

 Redaktion: Neue KV GmbH, was ist das bitte?

derKVProfi: Die Neue KV GmbH ist ein spezialisierter Versicherungsmakler, der als Servicegesellschaft ein sehr spezialisiertes Geschäft betreibt. Es geht um internationale Krankenversicherung europäischer Versicherer, die in Deutschland zugelassen, aber eben kein inländischer Versicherer sind.

Es geht um den Versicherungsschutz für Nichtversicherte, die von hohen Strafbeiträgen in der PKV, aber auch ggf. der GKV, wenn Sie dort ein Zugangsrecht nach § 5.1.13 SGB V haben, bedroht sind.

Angesprochen werden aber auch Menschen, die von dem System der Alterungsrückstellung deutscher PKV-Versicherer, das ja sehr intransparent ist, nichts oder sehr wenig halten.

Darüber hinaus werden Speziallösungen für Expatriats angeboten, die nach Deutschland kommen, und für Deutsche, die sehr stark global orientiert sind.

Redaktion: Wer sind die Initiatoren?

 

derKVProfi: Hinter der Neue KV GmbH stehen drei private Investoren, die tatsächlich nichts mit Versicherungen an sich zu tun haben. Der Geschäftsführer Glyn Brookman ist Brite und war bisher Mitarbeiter des Versicherungsmaklers Chambervelt, Rooselain & Cie. . Dieser Versicherungsmakler ist spezialisiert auf internationale Expatriats. Der Geschäftsführer von Chambervelt, Rooselain & Cie., Patrick Oliver Ott, ist einer der maßgeblichen Macher der Neue KV GmbH. Daneben gibt es noch zwei, drei Personen, die diese Idee vorangetrieben haben und letztendlich habe ich selber, als Mitarbeiter der Sellsulting Ltd. mit meinem fachlichen Knowhow und meinen englischen Geschäftsbeziehungen zur Markteinführung beigetragen.

Die Neue KV GmbH soll als juristische Person dafür Sorge tragen, dass die Geschäftsfelder sauber getrennt sind. Die Neue KV GmbH soll ja Dienstleister für Vermittler sein und nicht als Wettbewerber am Markt auftauchen. Die Neue KV GmbH ist zwar als Versicherungsvermittler registriert, tritt aber im Markt nicht gegenüber Endverbrauchern auf.

 Redaktion: Wer ist die Zielgruppe für die europäische Krankenversicherung?

 derKVProfi: Die Neue KV GmbH spricht Versicherungsmakler und Mehrfachagenten an, aber auch Ausschließlichkeitsorganisationen, die folgendes Problem lösen wollen:

Personen die seit dem 31.03.2007 bzw. 31.12.2008 nicht versichert sind und dem Risiko von erheblichen Nachzahlungen und ggf. Strafbeiträgen ausgesetzt sind.

  1. Kunden mit erheblichen Beitragsrückständen, die bereits jetzt nur noch eingeschränkten Versicherungsschutz haben.
  2. International orientierte Menschen, die  neben den jeweiligen landesüblichen Grundabsicherungen einen weltweiten funktionierenden zusätzlichen Versicherungsschutz benötigen.

 Redaktion: Aber Menschen, die Beitragsrückstände haben genießen doch Versicherungsschutz bei Unfällen, Notfällen und Schwangerschaft?

 derKVProfi: Die Frage zeugt doch schon davon wie unehrlich das Thema gehandhabt wird. Das Wort Notfall taucht nirgendwo auf. Es wird in den Gesetzestexten eindeutig von akuten Erkrankungen gesprochen, was einen grippalen Infekt inkludiert. Bei GKV Versicherten ist das eigentlich nicht das Problem. Bei den Selbstzahlern, die bei einer PKV versichert sind, gibt es aber ein sehr großes Problem. Die PKV-Versicherer stellen ständig die Leistungspflicht in Frage und wenn sie diese anerkennen, dann verrechnen sie die Leistung mit den Beitragsrückständen. Das führt letztendlich dazu, dass der Versicherte beim Arzt Schulden hat und sogar Gefahr läuft das die Staatsanwaltschaft wegen Betrug aktiv wird.

Redaktion: Aber für diesen Fall gibt es doch dann den Basistarif?

 derKVProfi: Wieder Theorie statt Praxis. Es gibt viele Fälle, in denen die Kunden nach 12 monatigem Beitragsrückstand immer noch nicht in den Basistarif überführt sind. Würden die PKV Versicherer alle Nichtzahler, die mehr als 12 Monate Beitragsrückstand haben, in den Basistarif überführen, dann wäre die Zahl von 100.000 Tarifversicherten wohl überschritten. Das hätte dann Auswirkungen auf den Vertrag zwischen dem PKV-Verband und der KBV (kassenärztliche Bundesvereinigung) indem das Honorar auf den 1,2 fachen Satz der GOÄ festgeschrieben wurde. Dieser Vertrag endet wenn die Zahl der Tarifversicherten 100.000 erreicht. Insgesamt ist das mehr als bedenklich, weil das Gesetz hier keine „Kann“-Regelung vorsieht, sondern eindeutig die Überführung in den Basistarif regelt.

Der sieht zwar eine direkte Abrechnung des Arztes mit dem Versicherer vor, wenn der Versicherte das so mit dem Arzt vereinbart, aber bei Arznei-, Heil- und Hilfsmitteln bleibt es bei der Kostenerstattung. Und dann gibt es weiterhin Schwierigkeiten überhaupt einen Arzt zu finden, obwohl Kassenärzte dazu verpflichtet sind. Es gibt Schwierigkeiten bei den Rechnungen, weil die Ärzte mehr als das 1,2 fache abrechnen, Positionen in Rechnung stellen, die sie nicht in Rechnung stellen dürfen. Das ist eine insgesamt unbefriedigende und problematische Situation für die betroffenen Menschen.

Redaktion: Aber die PKV verfolgt doch die Idee eines Nichtzahler-Tarifs?

 derKVProfi: Das Konzept gibt es ja bereits. Das macht die Hanse Merkur vor, die den Tarif „mini“ anbietet. Das wollten die anderen Versicherer gerne als Verband kopieren. Der Taif Mini hat einen Selbstbehalt von 5.000 Euro. Das hilft natürlich ungemein, wenn man den betroffenen Personenkreis betrachtet.

Nein, ich denke, dass hier der Ausstieg aus der deutschen PKV angezeigt ist und europäische Krankenversicherer sind hier die Lösung.

 Redaktion: Bilden die denn auch Alterungsrückstellung?

 derKVProfi:  Nein, die europäischen Krankenversicherer kalkulieren nach Art der Schadenversicherung. Das bedeutet, dass der Beitrag mit zunehmendem Alter steigt. Insoweit ist dieses Produkt sensibel zu handhaben. Entweder als temporärer Übergang oder der Kunde muss selbst für eine entsprechende Alterungsrückstellung Sorge tragen, indem er parallel anspart. Dafür bieten wir neben einem Zielsparplan in eine deutsche Vermögensverwaltung auch das KV-Profi-Entlastungskonto, eine RürupRente von Friends Provident, in der die Gelder ebenfalls in Vermögensverwaltungen angelegt werden, an.

Aber lassen Sie uns doch bitte ehrlich sein. Das System der deutschen Alterungsrückstellung ist im hohen Maß intransparent und vor allem überbewertet. Vor allem ist zu beachten, dass Tarife mit einem sehr niedrigen Beitrag in Relation zur versprochenen Leistung deutlich zu wenig für das Alter ansparen. Und alles was ich vorne nicht angespart habe, muss ich hinten nachzahlen. Ich bekomme also nichts geschenkt. Letztendlich muss der Barwert der eingezahlten Beiträge dem Barwert der Leistungen der Altersgruppe über die gesamte Laufzeit entsprechen. Bei dem System der englischen Versicherer nach Art der Schadenversicherung gilt das zwar auch, aber nur für die Zukunft und nicht im Sinne von Nachzahlungen und immer nur für das jeweilige Jahr. Ich verliere auch nichts, wenn ich in das gesetzliche System zurückkehre. Natürlich müssen diese Besonderheiten sauber und transparent vermittelt werden. Auch hier bietet die Neue KV GmbH dem Vermittler Hilfe und Unterstützung an.

 Reaktion: Aber können die Vermittler das nicht selber, auch ohne die Neue KV GmbH?

 derKVProfi: Sicherlich gibt es Vermittler, die das Potential haben, dieses Geschäft mit europäischen Krankenversicherern selbst zu händeln. Bei den meisten Vermittlern bezweifel ich das aber, weil es bereits am Zugang zu den Versicherern scheitert oder an der Quantität des vermittelten Geschäfts.

Man sollte aber Bedenken, dass die eigentlichen Vertragsbedingungen in Englisch, Französisch oder Spanisch formuliert sein können. Die Neue KV GmbH arbeitet hier mit abgestimmten und verbindlich vereinbarten Übersetzungen in die deutsche Sprache. Auch etwas, was nicht jeder Vermittler leisten kann oder will.

Dann gibt es noch einige fachliche Besonderheiten. PKV Versicherer verlangen oft und zu Unrecht von Kunden mit einer europäischen Vorversicherung Strafbeiträge und Nachzahlungen. PKV Versicherer und Krankenkassen erkennen oft die Bescheinigungen der europäischen Dienstleister im Zusammenhang mit einer Kündigung nicht an. Da braucht man schon sehr gute Unterlagen um diesen Widerstand zu brechen. Das Thema hat Chambervelt, Rooselain & Cie. Insurance Broker aber bereits mehrfach final gelöst. Das ist der Wissensvorsprung, den diese Profis haben. Dazu kommt natürlich, dass dieser Markt sehr dynamisch ist und sich ständig verändert. Auch hier muss man sich 100% auf dieses Thema konzentrieren. Spätestens hier reichen die zeitlichen Kapazitäten eines normalen Versicherungsvermittlers nicht aus um bei dem Thema immer am Ball zu sein.

 Redaktion: Es gibt aber auch deutsche Versicherer die internationale Policen anbieten?

 derKVProfi: Ja, aber leider genügen die meisten dieser Policen nicht den Anforderungen des § 193.3. VVG. Sie sprechen von Auslandsreise Krankenversicherungen, die oft auf maximal fünf Jahre abgeschlossen werden und dann verlängert werden müssen. Außerdem gilt für deutsche Krankenversicherer § 12 VAG, also die Verpflichtung zur Bildung von Alterungsrückstellungen und zum Betreiben des Basistarifs. Das gilt nicht für englische oder französische Versicherer.

Und es gibt noch einen wesentlichen Unterschied. Es gibt kaum ein Land in Europa, in dem Krankengeschichten so abgearbeitet werden, wie in Deutschland. Deshalb ist die Risikoprüfung generell anders, als es die Versicherungsvermittler in Deutschland gewöhnt sind. Das ermöglicht der Neue KV GmbH auch Menschen Versicherungsschutz zu bieten, die sie bei einer Deutschen PKV nicht unterkommen. Beispielhaft sei hier eine abgeschlossene Psychotherapie genannt. Kunden mit akuten schweren und chronischen Erkrankungen, wie Krebs oder Diabetes, bekommen Sie aber auch in Europa nicht wirklich eingedeckt.

Redaktion: Wie sehen denn die Leistungen im Vergleich zu deutschen Krankenversicherung aus?

 derKVProfi: Im Prinzip eine Frage, die man nicht generell beantworten kann. Es ist abhängig vom Einzelfall.  Welche Gesellschaft und welcher Tarif ist bezogen auf den Fall die optimale Lösung. Auch hier ist Expertenwissen gefragt und notwendig. Die Verträge haben klare Bedingungen in denen die Ausschlüsse, Warte- und Karenzzeiten und der Umfang der erstattungsfähigen Leistungen im Detail geregelt sind.

Es geht also nicht darum mit Hilde eines Vergleichsprogrammes ein Ranking zu erstellen, sondern bezogen auf den Einzelfall mit all seinen Facetten den richtigen Vertrag heraus zu suchen.

Redaktion: Was ist mit der Pflegepflicht?

derKVProfi: ein wichtiges Thema. In bestimmten Fällen besteht die Pflicht zur Pflegepflicht gemäß SGB XI bei einer PKV. Diese PPV ist auch über die NeueKV einzureichen, damit die Vollständigkeit gewährleistet ist. Es gibt genau dafür Partner, die das dann auch zeichnen. Ansonsten kann das überall eingedeckt werden, wenn die Voraussetzungen dafür gegeben sind! Auch die Fortführung der bestehenden Pflegepflicht ist eine Option. Die Herausforderung ist, die Unkenntnis bzw. die beharrliche Verweigerung der deutschen PKV Versicherer.

Redaktion: Und wo ist der Gerichtsstand?

derKVProfi: Das ist ganz einfach, weil in der EG Verordnung 44/2001 geregelt. Der ist immer da, wo der Versicherungsnehmer oder die versicherte Person ihren Wohnsitz hat. Auch der Ombudsmann, also der richtige und nicht die Reduzierung des PKV Verbandes ohne jegliche Rechte, ist an dem Thema über das FIN-NET beteiligt. Das ist alles auf der EU Ebene geregelt.

Redaktion: Wie ist eigentlich derKVProfi versichert?

derKVProfi: Das ist eine fiese Frage, aber berechtigt. Ich genieße gleich mehrfach Versicherungsschutz. Als Mitarbeiter der Sellsulting Ltd. bin ich in England über den National Health Service abgesichert. Meine gesetzliche Krankenkasse, als versicherungspflichtiges Mitglied der KSK gemäß dem KSVG führe ich in Deutschland parallel fort. Darüber hinaus habe ich eine Internationale Police, so wie die Neue KV GmbH es anbietet, bei einem englischen Versicherer. Aus der deutschen PKV habe ich mich bewußt verabschiedet. Das System hat im Sinne der substitutiven Krankenversicherung keine Zukunft. Die PKV Versicherer in Deutschland müssen sich bewegen und verändern oder sich auf ein langsames Sterben einrichten.

Redaktion: Der National Health Service in Großbritanien soll ja nicht sehr gut sein?

derKVProfi: das erzählen Menschen, die das System nicht kennen und nur Informationen aus der Presse haben. Es gibt strukturelle und finanzielle Probleme, die derzeit aber gelöst werden. Fakt ist, dass die Engländer nur ca. 2/3 des finanziellen Aufwandes betreiben, den wir betreiben. Die Engländer sind aber nicht schlechter versorgt. Es gibt einiges, das anders ist, aber das auch englischen Mentalitäten geschuldet ist. Die Engländer sind überwiegend sehr stolz auf Ihren National Health Service, was man daran erkennen konnte, dass NHS Teil des Eröffnungsprogrammes der Olympischen Spiele 2012 in London waren. Für Deutschland und eine beliebige GKV unvorstellbar.

Es gibt öffentliche Krankenhäuser, die noch 8-Bett-Zimmer haben. Das stört den Engländer aber scheinbar nicht. Was ich persönlich kritisch betrachte ist das sehr harte Scoring, dass auch Alter als Faktor kennt. Das ist eine harte Rationierung. Was positiv ist, ist das NHS ein Versorgungs- und kein Versicherungssystem ist und das die Welt der Privatpatienten vom NHS getrennt ist. Durch die Vermischung des privaten und des gesetzlichen Systems in Deutschland entsteht doch überhaupt erst die Neiddiskussion. Und Engländer, die Privatkliniken und –ärzte nutzen, sind und bleiben immer Teil des NHS Systems, können also jederzeit die staatliche Infrastruktur nutzen! In Deutschland meint man immer final aus dem gesetzlichen System aussteigen zu müssen, was dazu führt, dass man eben lebenslang draußen bleibt. Ein Umstand der für viel Unmut sorgt und zwar mit Recht!

Ich glaube nicht, dass es das ideale System gibt, aber wenn man sich, so wie ich es seit 1 ½ Jahren tue, mit den europäischen Systemen beschäftigt, dann erkennt man in England einen Weg, der in Europa zu  einem einheitlichen, gerechten und sozialen Gesundheitswesen führen kann.

Thorulf Müller – derKVProfi

19.10.2012